Schlagwort-Archive: Preisträger

100° Berlin Preisträger 2011

Eine junge Fachjury wählte fünf Inszenierungen für eine Wiederaufnahme im regulären Spielplan der sophiensæle und des HAU am 19. und 20. April 2011 aus. Den GewinnerInnen winkt in diesem Jahr eine Besonderheit, denn das 100° Berlin »goes international«! Die GewinnerInnen werden in diesem Jahr zusätzlich nach Stettin reisen. Das Kana Teatr lädt sie ein, dort ihre Produktionen zu zeigen. Weiterlesen

Die fabelhafte Welt der Brina Stinehelfer

Reizend und ein wenig entrückt kommt sie mir vor, wie sie auf der Bühne an einem kleinen Tischchen vor ihrem Notebook sitzt. Was sie zum Lächeln oder Stirnrunzeln bringt, kann das Publikum über eine Projektion des Bildschirminhaltes mitverfolgen. Auf der Suche nach menschlicher Nähe durchforstet sie Google und Foren für Einsame, versucht über Chatroulette, Facebook und Skype mit anderen in Verbindung zu treten. Sie möchte wissen, was Menschen bewegt, wonach sie sich wirklich sehnen. Als sie sich schließlich überwindet, von der Bühne zu steigen, um Kontakt zu leibhaftigen Menschen aufzunehmen, gelingt es ihr, das Publikum vollends zu bezaubern. Bald haben sich Paare gebildet, die Walzer durch den Zuschauerraum tanzen, bis der beseelte Reigen schließlich in euphorischen Applaus übergeht. (re)

Foto: Renate Baricz

Brina Stinehelfer/ Per Aspera Productions: A Skype Duet

This is how we do it

In „DANCE AND SHORT FICTION“ wird der Tanz in die Bestandteile seiner Bewegung zergliedert. Gekonnt wird von den drei physiognomisch gänzlich unterschiedlichen Performern das als Vorbild dienende Tableaux vivant in eine stop-and-go-Bewegung übersetzt. Treibender Beat trifft auf eingefrorene Performer, langsam tauen sie auf, ihre Körper gehen in einen Bewegungsflow über, die Musik bricht ab, wie ein Perpetuum mobile bewegen sich die Körper weiter durch den Raum. Nur die Abschnitte, in denen kurze Geschichten mit Pistole und Sonnenbrille erzählt werden, wollen sich nicht recht in das Gesamtkonzept einfügen. Das fällt aber bei dem grandiosen Abschlussbild, in dem eine riesige Luftblase die Performer vom Publikum isoliert und in einer bewegenden Einsamkeit zeigt, überhaupt nicht ins Gewicht. (kwf)

Lina, Martha, Ch.-F. Hahn, J. Rohwedder: DANCE AND SHORT FICTION

 

Kunstreiten

Die Dressurmeisterin (und Soundtüftlerin) öffnet die Stalltür, auf die Spielwiese traben fünf junge Stuten. Sie scheuen, galoppieren und bäumen sich auf. Sie werden dressiert, vermessen, gescannt, getäschelt und begutachtet. Sie sind eigenwillig, verspielt, grazil, wild und zahm. Sie springen gegen Wände, schleichen an ihnen entlang, wälzen sich über den Boden und auf Strohhalmen. Mal formieren sie sich zu einer synchronen Herde, dann tanzt wieder jede nach der Choreographie der eigenen Instinkte.

Es wird viel transportiert auf dem Rücken dieser Pferde, in diesen 50 Minuten. Es ist ein ausdrucksstarkes, wunderschön und witzig komponiertes Zusammenspiel aus Soundcollage, Körpersprache und Schauspieleinlagen. Ein Kunstritt, der einen das Wort „Ausdruckstanz“ tatsächlich einmal ganz unironisch und wörtlich benutzen lässt. (mak)

Wilde Pferde: phRasen der dressur

 

Wir haben nicht nur den süßen Performer, sondern gleich die ganze Welt gerettet

Stolzes Mitglied des ersten Win-Win Teams von machina eX! Ein gutes Gefühl. Wie haben wir das gemacht? Nun denn: Den ersten Tiefpunkt erreichten wir nach dem Kampf um den Karteikasten. Gut, dass den Performerinnen in solch kritischen Momenten immer ein paar liebevolle Worte einfallen („Ich glaube, ich bin auf dem richtigen Weg.“). Dann war uns plötzlich alles klar. Und wenn man jemanden mit Technik-Abitur dabei hat, was kann einem schon passieren? Uns, das Weltretterteam, werdet ihr in den nächsten Tagen jedenfalls nicht mehr auf dem 100º sehen. Wir haben uns auf eine einsame karibische Insel abgesetzt und feiern unseren Sieg. Aber wenn was ist, ruft an! (mas)

machina eX: 15’000 Gray

„Wir bauen unsere eigenen Konventionen!“

Point and Click Adventure mit machina eX

Eine Bombe, sieben Spieler, 30 Minuten sie zu entschärfen. Wer an einem medientheatralen Point and Click Adventure der Gruppe machina eX teilnimmt, kann nicht einfach in der Ecke rumstehen. Sobald man den Raum betritt, ist man Teil der Geschichte, die von drei Performern in einer kurzen Szene umrissen wird. Der Spieler darf und muss nun frei agieren, um damit den Verlauf der Geschichte voran zu treiben. Dabei gibt es nur drei Regeln: Ihr seid ein Team, ihr sollt kommunizieren, spielt!

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