Annäherungsversuche

Im Hochzeitssaal erwartet uns ein junges Paar. Sie baut am gemeinsamen Eigenheim, stapelt Ziegelsteine, so gut es eben geht ohne Mörtel, zu einer bröckelnden Mauer. Er versenkt derweil den Kopf im Wassertrog, immer und immer wieder, als könnte er dort freier atmen. In stiller Wut greift sie einen Ziegelstein, wirft nach ihm, ohne ihn zu treffen und reißt ihn doch heraus aus seiner Verweigerung. Sie besteigt ihn, bis er sie von sich wirft und ans andere Ende des weiten Raumes verbannt, nur um sich wieder seinen Weg aus Ziegeln zu ihr zu bauen, ohne sie je zu erreichen. Jede Berührung ein Krampf, Schreie sind stumme Spasmen angesichts der gespielten Gleichgültigkeit und der unerreichbaren Nähe. So stehen sie sich schließlich gegenüber vor den Trümmern ihrer Einsamkeit und legen sich ein Fundament aus Kies, der im Rampenlicht wie Scherben funkelt, um sich darauf zu betten, neben- aber nicht miteinander. Kein Abgang, kein Happy End. Während das Publikum irritiert zum nächsten Stück eilt, zuckt das Paar nebeneinander leise der Ewigkeit entgegen. (re)

Foto: Renate Baricz

Konrad Kaniuk: l’essai

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