Von der Lippe

Kein Bühnenbild, kein Plot, keine Worte. Sondern: eine Kuss-Choreographie, ein Riesen-Repertoire von Lippenbekenntnissen, im fliegenden Wechsel ausgetauscht unter vier Performern.

Das muss gar nicht übertrieben gespielt werden. Der Kuss ist so oft abgefilmt und durchgespielt, dass seine Inszenierung mit wenigen, sehr schlichten und dezent eingesetzten Gesten auskommt. Mit welcher Bedeutung jeweils geküsst wird, zeigt sich schon in kleinen Andeutungen: der Abschiedskuss, der Versöhnungskuss, der Lassmichkuss. Der gelangweilte Kuss, der lang ersehnte Kuss, der vorsichtig fragende, der aggressive, der leidenschaftliche, der erste Kuss.

Dann werden dem Körperspiel sukzessive ein paar mediale Mittel hinzugefügt: Zwei setzen sich vor die Leinwand, es wird ein Cut-Up von Liebesdialogen eingeblendet, mit den Lippen nachgeformt oder geflüstert, dann ein Zusammenschnitt von Kuss-Klassikern der Filmgeschichte, dem die vier zunächst gebannt zusehen, von dem sie sich dann zu weiteren Kussattacken inspirieren lassen, am Ende fallen sogar ein paar Klamotten.

Eine spielerische Kuss-Doku, eine gut montierte Kuss-Collage, ein Kuss-Clip. Ein bisschen unaufregend, vor allem aber angenehm unaufgeregt. (mak)

(P.S.: Ein Kuss sagt zwar mehr als 100 Worte, aber 100 Worte reichen (mir) offenbar nicht, diese Küsse zu rezensieren.)

Schlicht & Einfach: Küss mich, Freiwillige Selbstkontrolle

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