Zwischen den Hockern

Im Titel dieses Stücks heißt es, es ginge um Vergangenheit. Ich würde eher sagen: Identität, auch wenn der Übergang vom einen ins andere ist ja auch fließend. Wie eine alte, zu eng gewordene Haut klebt das Kleid am Körper der Performerin, mal dient es ihr als Rückzugsort, mal muss sie sich davon freimachen, als beenge sie diese Vergangenheit. Sandy Sanne illustriert ihre Identitätssuche wunderbar durch ihre Interaktion mit dem Publikum, deren Platz im Raum, Haltung und Reaktionen sie unter Lachen aus dem Publikum imitiert, in immer schnellerer Abfolge, bis sie schließlich unter dem übergroßen Identitätsangebot zusammenbricht. Leider wird dabei nur das halbe Publikum angespielt, die andere Hälfte sitzt unbeteiligt im Dunklen. Die Funktion der Soundfetzen bleibt leider ungeklärt, sie wirken als Irritationen der Sinnsuche der Figur etwas aufgesetzt. Das hätte Sanne, mit ihren vor Begeisterung glänzenden Augen, auch ohne Probleme erspielen können. Ob Vergangenheit oder Identität, die Stunde jedenfalls verging schnell. (kwf)

SISYPHOS: Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen

 

 

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