Heiko Senst

Das 100Grad ist jetzt 9 Jahre alt. Grund genug, zwei Festivalveteranen zu ihren Geschichten zu befragen.

Heiko Senst ist Schauspieler, Regisseur, Dozent und Mitglied der Performancegruppe BASTARD FOOLS. Wir sprechen über Schnurrbärte, Edgar Reitz, Flatrate-Kulturkonsum und seinen Sieg von 2009. Damals gewann er mit „WEIRD – Was euch fehlt“ den Jurypreis des 100 Grad.

„Ich kenne das Festival seit 200, und nehme zum dritten Mal Teil. Als Plattform finde ich es sehr spannend. Anfangs mochte ich nicht, dass man viel Material für so wenig Geld geboten bekommt, und das alles extrem dicht. Das strapaziert die Aura eines Kunstwerks schon arg. Aber wenn man es uminterpretiert, als eine Gelegenheit, sich zu zeigen und zu experimentieren, dann bekommt es diesen offenen Try-Out-Charakter. Wir machen hier, was wir sonst nirgendwo entwickeln könnten oder würden. Für einige sind es ja auch die allerersten Reaktionenauf ihre Arbeit überhaupt. Und wir wurden damals, nach unserem Preis, dann auch von dem „Wunder der Prärie“-Festival in Mannheim eingeladen. Das war sehr schön.

Aber eigentlich ist mir persönlich das Ganze zu hektisch und zu viel. Ich kann kaum mehr als eine Vorstellung am Abend verdauen, danach ist bei mir zu. Eigentlich rennt jeder von einer Veranstaltung zur nächsten und ist gestresst oder hacke, von den Eindrücken, der Müdigkeit oder vom Premierensekt. Ich glaube auch, dass diese Überfordung mit auch ein Grund war, warum wir 2009 mit WEIRD so gut angekommen sind. Weil wir eine Entschleunigung geboten haben.

Dieses Jahr zeigen wir „WIERDO 3“. Den zweiten Teil der Reihe haben wir ausgelassen, man weiß ja, dass bei Sequels der zweite meistens nichts wird. Es wird um Zukunft gehen und um Geld. Die BASTARD FOOLS reiten wieder.“

Lucas Humann

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