„Will nicht jeder unsterblich sein?“

© Dominik Fraßmann

Das ist die Frage, die das Amt für die Feststellung des Bildes für die Nachwelt, kurz Afebina, stellt. Klar doch! Jeder will irgendwie Spuren in der Welt hinterlassen und wissen, dass seine Existenz auch nach dem Ableben von Jemandem zur Kenntnis genommen wird.

Das Internet ist ideal dafür. Es bietet unzählige Plattformen um die eigene Persönlichkeit zu vermarkten und in die Öffentlichkeit zu tragen. Dem Skeptiker kommt sofort Exhibitionismus in denn Sinn. Oder der Wunsch berühmt zu werden. Das funktioniert in unserer Digi-Gesellschaft am Besten durch eine Kombination einer Dosis Zur-Schau-Stellung und einer Prise Talent. Viele versuchen ihr Glück indem sie sich auf Ich-bin-der-Nabel-der-Welt-Communities in ihrer bunten, menschlichen Vielfalt repräsentieren. Aber es kann nicht wirklich von Bedeutung sein, ob man es geschafft hat die Nationalhymne zu rülpsen oder drei Shots bei der Party gestern nacht durch die Nase zu ziehen. Vom Standpunkt der Entertainement-Branche aus betrachtet, erfüllt es vielleicht Sinn und Zweck. Die Diskussionen, die sich zu dem Thema ergeben würden, reichen ins Unendliche und schließen sozialkritische, demografische und kulturelle Zweige mit ein.

Man muss drei, auf den ersten Blick einfachen, Schritten Folge leisten, um sich bei Afebina zu verewigen: 1. einen Antrag ausfüllen 2. Eine Zeichnung von sich anfertigen lassen während 3. eine Tonaufnahme erstellt wird, die eine persönliche Botschaft oder ein Statement für kommende Generationen enthält.

Scherzkekse und Intellektuelle überlegen sich Schweinereien oder Philosophisches. Oder philosophieren über Schweinereien und sind schweinisch im Philosophieren. Für manche aber, können die Fragen, die Dominik Fraßmann mit Afebina und seinem bürokratisch-administrativen Auftreten fallen lässt, sehr persönlich sein. Denn plötzlich sitzt man da und brütet darüber, was man eigentlich sagen will. Sieht sich mit einem Stück „Sinn des Lebens-Frage“ konfrontiert. Was will man für ein Gesamtbild von sich hinterlassen? Was genau ist für einen denn bedeutend oder könnte wichtig für diejenigen sein, die den Antrag in Zukunft abrufen? Was zeichnet einen aus, was für einen Eindruck und welches Bild will man von sich hinterlassen? Ein Monolog zum Thema „Ich denke also bin ich, wer bin ich und was bin ich wirklich“ entfaltet sich ganz unerwartet. Immerhin wird der Eintrag ja ins Netz gestellt und das ist ewig, sollten nicht der Weltuntergang Ende des Jahres oder ACTA in die Quere kommen.

Afebina ist gerade durch seine gespielte Seriosität, ein Projekt welches zum Nachdenken anregt und einen zum Innehalten auffordert. Es gibt tausend glitzernde und aufregende Facetten des Seins, zu denen auch die Lustigen gehören. Denn wie im Theater gibt es immer eine traurige und eine lachende Maske. Welche man wie abbildet und festhält, obliegt der eigenen Entscheidungsfreiheit und Kreativität.

Ob man nun den Clown gibt oder den Philosophen, bleibt am Ende jedem selbst überlassen. 100Wort hat auch einen Einrag erstellt, weil wir es uns wert sind. Ihr könnt ihn auf www.afebina.eu komplett einsehen. (ail)

Dominik Fraßmann: Amt für die Feststellung des Bildes für die Nachwelt

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