Von Rampen und schweren Kisten

Wolle weiß, was hinter der Bühne passiert. Er ist seit 23 Jahren Bühnenmeister im HAU2 – hat also schon jedes 100Grad mit erlebt und sogar schon selber auf der Bühne mit einer Kettensäge einen Stamm zersägt.

Hundert Wort: Hast du überhaupt Zeit mit mir zu reden?

Wolle: Ich habe natürlich viel zu tun, aber mit Menschen zu reden ist ja auch mein Job.

Was ist denn dein Job?

Ich bin für die Bühnentechnik zuständig. Das bedeutet, dass die ganzen Requisiten mit unserem Kran erstmal in den zweiten Stock vom HAU2 transportiert werden. Mit einem Korbwagen gehen die ganzen Bühnenelemente und Requisiten hoch und da wird aufgebaut. Mit meinem Kollegen machen wir dann kleine Markierungen auf den Boden und messen die ganzen Geschichten ein. Das schreibe ich mir jeweils auf, damit bei diesen ganzen Mengen an Gruppen nachher alles an seinem Platz ist. Und natürlich auch die Sicherheit, dass alles fest ist, niemand stolpert und nichts explodiert.

Wie viele Aufführungen hast du bis jetzt begleitet?

Keine Ahnung. Ich bin ja freiberuflich und habe schon in den meisten Berliner Theatern gearbeitet. In der Technik ist es ja anders als in der künstlerischen Leitung. Wenn ein Regisseur kommt und sagt, er hätte hier eine drei Tonnen schwere Kiste, und wenn das Licht ausgeht, müsse die Kiste verschwinden, dann können wir nicht zaubern. Aber man ist schon bemüht, alles für die Kunst zu realisieren.

Wie viele Stunden haben die 100-Grad-Tage bei dir?

Wir sind hier 12-16 Stunden zugange. Da muss schon Herzblut mit dabei sein.

Guckst du dir die Stücke auch an?

Ab und zu. Nach dem Stück ist vor dem Stück und wenn das eine Stück läuft sind wir im Prinzip schon wieder dabei, für das nächste Stück schon mal den LKW auszuladen.

Welche Art von Theater magst du?

Ich mag klassisches Sprechtheater sehr, aber auch Performance und Tanz. Ich habe zum Beispiel dreiundfünzigmal den „Baal“ umgebaut, wir konnten alle Texte auswendig. Wenn wir von der Technik uns ein Stück anschauen, achten wir auf ganz andere Sachen. Unsereiner sagt dann, die Rampen hinten haben geblendet, das Licht war schlecht.

Ist schon mal etwas schief gegangen?

Am 100Grad noch nicht. Kleine Pannen gibt es immer, da ergießen sich dann aus dem Schnürboden die Luftballons 30 Sekunden zu früh – das ist dann einfach Pech.

Gibt es einen Running Gag dieses Jahr?

Es gibt viele witzige Momente. Ein Running Gag ist immer wieder, wenn jemand auf der Leiter steht, sein Telefon klingeln zu lassen.

Bekommst du Applaus?

Wenn wir offene Umbauten haben, also die Technik auf die Bühne geht und Zeug zurecht schiebt, haben wir schon ab und zu Applaus bekommen. Darüber freuen wir uns auch.

Wo musst du gleich hin?

Ich muss wieder auf unsere große Bühne. In den 20 Minuten, in denen wir hier gesessen haben, wird sich da schon viel verändert haben. (xe)

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