Weltuntergang zum Zweiten: Eine groteske Oper mit Jakob Weiss

Das erste mal wirkte Jakob Weiss beim 100° Festival als Bühnenbildner mit. Nun ist er Regisseur. Ein Portrait

jakobweiss

Jakob Weiss sitzt am Wohnzimmertisch seiner Neuköllner Altbauwohnung. Behutsam dreht er sich eine Zigarette. Die pinken Hosenträger, die der 28-Jährige an seiner verwaschenen Jeans befestigt hat, schaukeln neben den Stuhlbeinen hin und her. Sie sind sein Markenzeichen: „Früher hab ich die fast immer auf den Schultern getragen, jetzt baumeln sie meist nur noch an meiner Hose herum.“

In seiner Wohnung herrscht kreatives Chaos. Erst vorhin ist er von Proben aus Hannover Heim gekommen und hier in Berlin muss er noch die restlichen Vorbereitungen für seine Inszenierung beim 100° Festival vorbereiten. „Zusammenstoss – groteske Oper für den Weltuntergang“, heißt sie. Bei dieser „grotesken Oper“ handelt es sich um ein bisher noch unvertontes Libretto vom Dadaisten Kurt Schwitters.

Jakob Weiss‘ Inszenierung lief bereits im Ballhaus Ost Berlin – im letzten November und Dezember, als tatsächlich die ganze Welt auf den von den Maja vorausgesagten Weltuntergang wartete. Nun will er die Inszenierung auf dem 100° noch mal zeigen, denn das Festival hat für ihn eine ganz besondere Bedeutung: „Als ich letztes Mal auf dem 100° war, das war 2008, war ich noch Bühnenbildner und total unglücklich. Jetzt bin ich Regisseur und zufrieden mit dem was ich tue. Insofern ist es schön, dass wir jetzt mit „Zusammenstoss“ wieder auf dem 100° spielen, denn jetzt fühlt es sich richtig an“.

Außerdem, findet er, sei das Stück auch immer noch sehr aktuell: „Schwitters schrieb das Stück vor der Wirtschaftskrise 1927. Wenn man das liest, dann denkt man, das wären Probleme von heute, aber dann merkt man, dass sich die Geschichte eigentlich bloß wiederholt.“

Seit Jakob Weiss seinen Weg zur Regie gefunden hat, macht er eigentlich nichts anderes mehr: „Wenn ich gerade nicht inszeniere, dann bereite ich neue Projekte vor.“, sagt er. Er ist glücklich damit. Auch wenn er Pläne wie „einmal mit der transsibirischen Eisenbahn fahren“ zurückstecken muss: „Das ist doch ein enormer Luxus, dass ich das machen kann, was mir Spaß macht und davon auch noch leben kann“, findet er.

Ziele für die Zukunft hat Jakob Weiss auch. Das neue Stück von Iwan Wyrypajew reizt ihn sehr. Und den „Prozess“ von Kafka würde er auch sehr gerne mal inszenieren. Erst einmal, muss er sich jetzt allerdings auf das 100° Festival konzentrieren.

Text: Claudia Malangré

„Zusammenstoss – groteske Oper für den Weltuntergang“ läuft am Donnerstag, 21. Februar, um 20 und um 22 Uhr im HAU 2.

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