Bühne frei für die Bitch

Wer, wie, was ist "die Bitch"? Foto: Andreas Hartmann

Wer, wie, was ist „die Bitch“? Foto: Andreas Hartmann

Nichts für zarte Pflänzchen: proxy body // heißes medium:polylux fassen in ihrer Lecutre-Performance „BITCH: Jagd auf ein Phänomen“ ein besonders pikantes Thema an. Angie Pohlers sprach vorab mit Maike Tödter, einer der beiden Performerinnen.

100 Grad: Die Künstlerin Lady Bitch Ray veröffentlichte 2012 „Die Aufklärung“ – ein Song, in dem sie in ziemlich deutlichen Worten erklärt, wie es eine richtige Bitch denn gerne im Bett hätte. Geht es also nur um Sex?

Maike: Nein, es geht auch um andere Dinge, aber Sex spielt natürlich eine Rolle. Die Figur der „Bitch“ kommt ja ursprünglich aus dem männlichen Hip Hop, wurde zwischenzeitlich aber durch Frauen aus der Hip Hop-Szene angeeignet und transformiert. So ist der Begriff heute längst Teil des Mainstreams geworden und kommt auch im Alltag vor, etwa als Begrüßung – „Hey Bitch!“.

100 Grad: Ist der Begriff „Bitch“ also nicht mehr diskriminierend, sondern bestärkend?

Maike: Das ist Ansichtssache. Man kann aber schon sagen, dass sich „die Bitch“ nicht komplett aus des patriarchalischen Strukturen lösen kann, aus denen sie kommt. Bestimmte Wertungen, die am Frau-Konzept haften, schwingen da immer noch mit. Trotzdem taugt das Konzept auch zur Bestärkung. Das hat Missy Elliott gezeigt, eine der ersten Frauen, die etwa Anfang der Neunziger Jahre gesagt hat: „Für mich ist die Bitch eine starke Frau!“. Das gilt so ähnlich auch für Rapperinnen wie Lil‘ Kim oder Queen Latifah, auch wenn letztere sich niemals als Bitch bezeichnet hat.

Mit vollem Körpereinsatz auf der Jagd. Foto: Andreas Hartmann

Mit vollem Körpereinsatz auf der Jagd. Foto: Andreas Hartmann

100 Grad: Du und Nora Graupner macht jetzt also Jagd auf „die Bitch“. Wie geht ihr vor?

Maike: Eigentlich sezieren wir eher, als dass wir jagen. Wir gehen der Bitch als Kulturwissenschaftlerinnen auf den Grund, das haben wir ja auch beide in Hildesheim studiert. Wir nähern uns ihr also sowohl aus historischer, theoretischer als auch praktischer Sicht in einer Lecture-Performance. Zuerst beschreiben wir sie und versuchen eine Definition anhand von Hip Hop-Texten und Theorien, dann gibt es auch ein paar Übungen, die unter anderem etwas mit Möhren zu tun haben. Wir beobachten das Thema außerdem ständig und entwickeln die Performance weiter. Deshalb ist jetzt auch die Künstlerin Nicki Minaj ein Thema für uns, sie ist ein ganz neuer „Bitch“-Typus. Eine Jagd ist es deshalb, weil uns aufgefallen ist, dass man die Figur der „Bitch“ nie ganz zu fassen kriegt – es gibt zu viele Facetten.

100 Grad: Und wie reagiert das Publikum, wenn ihr die Möhren zückt?

Maike: Das ist ganz unterschiedlich. Natürlich gibt es Leute, die mit dem, was wir machen, gar nichts anfangen können. Meistens ist das Publikum aber sehr aufgeschlossen und interessiert.

100 Grad: Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, euch mit dem „Bitch“-Begriff zu beschäftigen?

Maike: Nora hatte sich bereits vorher im Studium und in einer anderen Lecture mit dem Thema beschäftigt. Dann hat sie mich gebeten, bei der aktuellen Performance mitzumachen. Sie ist sehr fasziniert von dieser streitbaren Figur und das kann ich jetzt absolut nachvollziehen.

„BITCH: Jagd auf ein Phänomen“ läuft am Samstag, 23. Februar, umm 22 Uhr in der Kantine der Sophiensaele.

Das Interview führte Angie Pohlers.

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