Planlos, aber auf dem Weg

Janina Benduski

Janina Benduski

Nach zwölf Jahren geht das 100° Festival in die letzte Runde. Das Festival wird es in der bisherigen Form nie wieder geben. 100Wort! hat sich mit Janina Benduski (37), Leiterin des Performing Arts Programms, im WAU getroffen, um mit ihr über die Zukunft des 100° Berlin Festivals zu sprechen.

Janina, zunächst zu dir: Was genau macht das Performing Arts Programm?
Janina Benduski: Das Performing Arts Programm ist ein Projekt des LAFT Berlin, des Landesverbands freie darstellende Künste. Es versucht, die freie Tanz- und Theaterszene in jeglicher Form zu unterstützen. Wir beraten und beantworten Fragen, zum Beispiel zu Steuern und Recht: Wie erhalte ich eine Krankenversicherung? Wie läuft das mit der Künstlersozialkasse? Wir organisieren regelmäßig Treffen, um alle miteinander zu vernetzen. Außerdem fördern wir den Nachwuchs und professionalisieren die Szene in Form von Theaterscoutings. Es soll auch einfacher werden, online Proberäume zu finden. Ich komme selbst aus der Szene, daher sind viele Sachen im Programm, die ich in meiner Anfangszeit selbst gerne gehabt hätte.

Das 100° Festival soll sich grundlegend ändern. Was für Ideen gibt es für die Umgestaltung des Festivals?
JB: Wir wollen eine offene Plattform und alle miteinbeziehen. Ursprünglich war das Festival eine Sache vom HAU. Nun sollen alle, die gesamte Szene, eine Chance bekommen, sich zu beteiligen. Viele haben auch schon Interesse bekundet. Ein Problem ist zudem, dass keiner der Künstler bezahlt wird und alle unentgeltich performen. Das soll sich ändern. Wir wollen außerdem größere Künstler miteinbeziehen, ohne dabei die Durchlässigkeit zu verlieren. Wir wollen weiterhin auch Nachwuchskünstler auftreten lassen. Wir orientieren uns dabei auch an anderen Formaten: Die Berlinale zeigt, wie eine Nachwuchsförderung im großen Rahmen gelingen kann. Es geht also nicht darum, etwas wegzunehmen, sondern etwas dazuzutun.

Im Programmheft steht, dass sich die Stadt Berlin sowie die Freie Szene enorm verändert haben und das Festival in Zukunft dieser neuen Situation gerecht werden soll. Was hat sich denn alles verändert?
JB: Das 100° Festival ist vor zwölf Jahren entstanden. Viele Veranstaltungsorte wie das Ballhaus Ost oder der Theaterdiscounter gab es damals noch gar nicht. Die Freie Szene hat sich enorm in ihrer Präsenz geändert. Außerdem hat sie sich auch qualitativ sehr verbessert und ist viel internationaler geworden. Das 100° Festival deckt inzwischen nicht mehr alle Bereiche ab. Wir wünschen uns ein Festival, das das gesamte Spektrum zeigt, mit einem Termin für die gesamte Freie Szene.

Bisher war es praktisch so, dass diejenigen ihre Stücke zeigen durften, die sich am schnellsten beworben haben. Das 100° Festival wird nicht kuratiert, auch wenn es nach außen den Anschein hat. Wenn große Künstler auftreten sollen, besteht die Gefahr, dass Nachwuchskünstler zu kurz kommen. Wie wollt ihr dieses Problem lösen?
JB: Ein konkretes Konzept fehlt noch, sprich am Konzept wird noch gefeilt. Es wird aber auf jeden Fall ein offenes Prinzip geben. Die Durchlässigkeit bleibt erhalten. Es wird aber natürlich eine Herausforderung sein, eine gute Balance zu finden. Die Szene ist vielfältig und wir wollen diese Vielfalt abbilden und dabei helfen, sich darin zurecht zu finden. Wieviel wir letztendlich machen können, wie groß unser Handlungsspielraum sein wird, hängt sehr vom Geld ab. Das ist leider die Realität. Wichtig bei der Umsetzung ist uns, dass sich alle zusammensetzen und alle am Konzept gemeinsam arbeiten. Wir rufen alle aus der Freien Szene auf, sich bei uns zu melden.

Wurde schon ein Antrag auf Förderung gestellt?
JB: Nein, ein Antrag wurde noch nicht gestellt. Das wird voraussichtlich im Sommer geschehen. Wir wollen einen Antrag zur Förderung durch Lottomittel stellen. Außerdem sind eine Förderung durch den Kultursenat und den Wirtschaftssenat im Gespräch. Aber da steht noch nichts fest.

Das Gespräch führte Julika Bickel.

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