Entflammt: Interview mit Regisseurin Anne Schneider

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In „Brenne! Men don’t protect you anymore“ nähern sich Regisseurin Anne Schneider und Schauspielerin Gina Henkel der heißen Angelegenheit Identität. Ein Gespräch über das Suchen und Finden.

100Wort: Wie ist die Zusammenarbeit zwischen dir und Gina entstanden? Anne Schneider: Wir haben uns in Nürnberg am Staatstheater kennen gelernt. Wir sind uns dann später irgendwann zufällig in der U-Bahn in Berlin begegnet. Daraus sind jetzt mittlerweile drei Arbeiten hier in Berlin entstanden. Dazu gehört unter anderem „Schwesterherz“, das letztes Jahr beim 100°-Festival den Publikumspreis gewann. Daraufhin haben wir gesagt, dass es doch toll wäre, diese Zusammenarbeit fortzusetzen und das Format auch beizubehalten und haben zusammen überlegt, was kann man denn noch machen? Wir waren dann ziemlich schnell bei der Thematik weibliche Identität auf der Bühne und haben viel gelesen, recherchiert, Musik gehört und haben uns immer mehr rein- gearbeitet.

Das heißt, „Brenne!“ ist auch eine Zusammenarbeit zwischen Regisseurin und Schauspielerin? Es ist total im Dialog entstanden. Wir haben angefangen zu proben und haben uns gegenseitig Vorschläge gemacht, wie es gehen könnte. Ich brachte das Szenische und die Reihenfolge rein, Gina führte es aus und aus ihrer Darstellung ergaben sich für mich wieder neue Möglichkeiten. Ihre Darstellung hat die Regie somit maßgeblich beeinflusst.

Wie ergänzt ihr euch? Wir verstehen uns oft auch ohne Worte, müssen nicht groß diskutieren. Uns interessieren ähnliche Themen und Ästhetiken. Die Dinge, die ich eher inhaltlich denke, treffen auf ihre großartigen Spielangebote, die mich dann wieder zum weiteren Nachdenken anregen.

Habt ihr euch bewusst dafür entschieden, dass es nur eine Schauspielerin sein soll, die bei „Brenne!“ gleichzeitig Johanna von Orléans, Ingrid Bergman und sich selbst spielt? Ja, denn unsere Frage war vor allem: wie muss man als Schauspielerin sein? Wie viel Eigenes darf man sich erlauben? Zwischen Johanna und Ingrid muss Gina als Schauspielerin also als sie selbst auftreten.

Ihr setzt also das Schauspielen an sich in Szene gesetzt? Es wird auf jeden Fall thematisiert. Die Frage dabei ist: Wie funktionieren wir in der Gesellschaft? Da gibt es viele Anforderungen, denen wir alltäglich gerecht werden müssen. Von daher bedeutet „Brenne!“ auch Burnout. Wir zeigen es aber nicht direkt: Johanna von Orléans und Ingrid Bergmann haben beide ihren Weg sehr selbstbestimmt gestaltet, aber sind irgendwann auch von der Gesellschaft ausgenommen worden. Bei beiden gibt es einen Punkt, wo sie sich davon emanzipieren. Dann werden beide verbrannt. Johanna landet auf dem Scheiterhaufen, Ingrid wird von den Medien zerfleischt.

Was bedeutet der Zusatz bei Brenne „Men don’t protect you anymore“? Er weist daraufhin, dass man den Schutz der Männer als emanzipierte Frau nicht mehr will und dass er in dieser Gesell- schaft auch nicht mehr so da ist. Heute muss jeder für sich sehen, wo er bleibt. In der Inszenierung ist das auch angelegt: Mit Gina sind zwei Musiker auf der Bühne. Die begleiten sie zwar, sind aber manchmal auch abwesend ihr gegenüber. Man merkt an manchen Stellen im Stück, dass sie da allein durch muss.

Text: Katharina Fleischer

„Brenne“ Men don‘t protect you anymore“ läuft am Donnerstag, 21. Februar, um 22 Uhr im Hochzeitssaal der Sophiensaele.

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