Der totale Dienstleister

Du hast einen Wunsch? Daniel erfüllt ihn dir (vielleicht).  full-service-project.com

Du hast einen Wunsch? Daniel erfüllt ihn dir (vielleicht).
full-service-project.com

Du möchtest einen Lapdance, eine persönliche Opernarie, eine Samenspende oder Verbesserungstipps für den Blowjob? Kein Problem – von Daniel Hellmann kannst du alles bekommen, vorausgesetzt, du zahlst dafür. Full Service heißt das Projekt des Schweizer Künstlers, der sein „Service-Zelt“ schon in Städten wie New York, Zürich oder Genf aufgestellt hat.
Ist das nun clevere Ressourcennutzung, Prostitution oder totaler Ausverkauf? Wir haben den unkonventionellen Geschäftsmann um ein Interview gebeten und weil wir arme Schweine sind, mussten wir zum Glück (fast) nichts bezahlen.

Ich sehe, du führst Buch über deine Einnahmen. Wie viel hast du hier in den Sophiensaelen verdient?
Daniel Hellmann: Gestern waren es 133 Euro und heute bisher 70 Euro.

Wenn ich zu dir sage, Daniel kannst du mich bitte heiraten, wie viel kostet das?
DH: Wann und wo? Also heiraten und das Leben zusammen verbringen oder rechtlich?

Sagen wir mal nur für die Papiere, die Party und die Flitterwochen. Also circa für drei Wochen.
DH: Ich habe ziemlich viel zu tun, also drei Wochen müssten sehr gut bezahlt werden, damit es sich lohnt, mein Leben anzuhalten. Das Beispiel ist schwierig, weil es nicht so konkret ist. Was mich interessiert, sind eher Anfragen, die auch konkret realisierbar sind.

Okay, wie viel kostet es, wenn ich deinen Kopf kahl rasieren möchte?
DH: Das würde ich für 30 Euro machen. Ich wollte eh bald zum Friseur.

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Daniel Hellmann’s „Full Service“-Zelt

Was hast du bisher so alles gemacht?
DH: Es gab eine Kissenschlacht in meinem Zelt, ich habe ein Baby gewickelt, ich habe jemanden zugehört, der mir erzählt hat, dass seine Mutter sich umgebracht hat. Eine Frau wollte, dass ich ihr das Gefühl gebe, dass sie geliebt wird, weil sie das seit Jahren nicht mehr gehabt hat. Ich habe ein Dreierknutschen gemacht. Es gab auch sexuelle Dienstleistungen, zum Beispiel einen Handjob. Und Gespräche, die waren unglaublich erotisch.

Wo wären deine Grenzen?
DH: Meine Grenzen sind wahrscheinlich nicht da, wo andere Leute ihre Grenzen hätten. Schwierig ist es für mich, wenn Drittpersonen geschädigt werden, wenn ich zum Beispiel jemanden verprügeln sollte. Kinderschutz ist natürlich auch ganz wichtig. Ich würde mich auch nicht mit harten Drogen betäuben lassen.

Wie bist du auf die Idee gekommen?
DH: Ich arbeite zusammen mit der Dramaturgin Wilma Renfordt an einem Stück über männliche Prostitution. Bei der Recherche habe ich gedacht, es wäre doch witzig, einfach alles anzubieten. Ich bin auch ausgebildeter Opernsänger. Wieso verurteilen es die Leute, wenn ich für Geld Sex habe, aber sie finden es es toll, wenn ich für Geld eine Arie singe? Mich hat interessiert, wie die Leute mit ihren Wünschen umgehen und wie sich die Vorstellungen unterscheiden, was sie dafür bezahlen möchten. Leute möchten zum Beispiel selten zahlen, um mit mir zu reden. Sie denken, ein Gespräch müsste aus einem genuinen Sympathieempfinden entstehen.

Was hat Full Service mit dir gemacht?
DH: Ich habe wahnsinnig viel gelernt. Ich habe Erlebnisse, die ohne dieses Experimentierfeld gar nicht entstehen würden. Ich habe Spaß und gleichzeitig ist es auch manchmal mühsam. Wenn sich Menschen mir gegenüber öffnen, ist das total schön.
Nur weil ich für eine Dienstleistung Geld annehme, heißt das ja nicht, dass es schlecht ist. Ich mache das trotzdem aufrichtig und lasse mich darauf ein. Wenn ein Moment des Austausches entsteht, bin ich glücklich.

(fb)

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